Segeln ist toll- ist das immer so?

Reisebericht  ·  Yacht-Lifestyle

Vom Motorboot zum Traum-Kat: Meine Suche nach der perfekten Freiheit auf dem Meer

Die Donau war erst der Anfang. Doch auf der Suche nach echter Autarkie stieß ein passionierter Einsteiger schnell an seine Grenzen – und fand nach schwerer Seekrankheit auf luxuriösen Einrumpf-Yachten seine Erfüllung schließlich auf zwei Rümpfen.

5. Juni 2026  ·  Lesezeit ca. 4 Minuten  ·  Erfahrungsbericht

Auf der Donau mit dem Boot zu fahren, ist für den Einstieg ganz nett. Doch bald merkt man: Da geht noch deutlich mehr! Schnell sind die ersten Kontakte geknüpft und man ertappt sich dabei, wie man mit Motorbooten über Seen und Meere schippert. Mit den richtigen Menschen an Bord ist das bereits eine großartige Erfahrung – aber dieses unbeschreibliche Gefühl von absoluter Freiheit und echter Autarkie verlangte nach einer Steigerung. Die logische Konsequenz? Segeln.

Mein Weg führte mich zunächst auf zwei beeindruckende Einrumpfyachten (Monohulls): die Jeanneau Sun Odyssey 54 DS – eine herausragende Blauwayacht in allen Belangen – und eine Hanse 458. Beides sind, soweit ich das als Anfänger beurteilen kann, absolut geniale Schiffe. Zu beiden Yachten werde ich in Zukunft noch detaillierte Einzelartikel veröffentlichen. Das änderte allerdings nichts an der schmerzhaften Tatsache, dass ich auf beiden Yachten anfangs zu absolut nichts zu gebrauchen war.

Die harte Realität

Der Kampf mit der Seekrankheit und alten Seemannsgarnen

Die Seekrankheit traf mich mit voller Härte. Weder der altbekannte Trick mit dem sauren Apfel noch die zusätzliche Einnahme von Vitamin C zeigten auch nur ansatzweise Wirkung. Erst der Griff zu speziellen Tabletten brachte die Rettung. Unser erfahrener, älterer Skipper reagierte glücklicherweise tiefenentspannt – er hatte solche Situationen bereits hunderte Male erlebt und blickte mit einer gewissen, erhabenen Gelassenheit auf mein Leiden. Man versicherte mir, dass es rund 90% aller Anfänger genauso ergeht. Mit der Zeit wurde es zum Glück besser, und ich konnte die Stunden an Bord endlich genießen. Dennoch stand fest: Wir müssen für die Zukunft eine Alternative testen.

Yacht-Typ Persönliches Komfort- & Praxisurteil
Monohulls
(Jeanneau 54 DS / Hanse 458)
Geniale Schiffe bei schlechtem Wetter. Aufgrund der starken Schifflage und des Rollens war mir jedoch extreme Seekrankheit beschieden – Kochen, Waschen und Toilettengänge wurden zur Qual.
Katamaran
(Leopard 39)
Keine Schifflage. Das Schlafen war wesentlich ruhiger und erholsamer. Alltagstätigkeiten wie Kochen und Essen funktionierten völlig problemlos und entspannt.
Der Wendepunkt

Sardinien und der Wechsel auf zwei Rümpfe

Was lag also näher, als ein Mehrrumpfboot auszuprobieren? Ein Trimaran der Marke Neel wäre ein spannendes Testobjekt gewesen, allerdings war kein Modell verfügbar und ein Schnäppchen sind diese Schiffe wahrlich auch nicht. Zudem hätte ich mir bei meiner bekannten Tollpatschigkeit auf einer Neel vermutlich ohnehin nur den Kopf eingeschlagen.

Die Rettung wartete im Hafen von Sardinien: Ein Leopard 39 Katamaran. Eine Woche lang durfte ich auf diesem Schiff mitfahren – und dieses Erlebnis hat mein Bild vom Segeln komplett verändert. Zwar war mir beim Ablegen kurz flau im Magen, das legte sich jedoch nach wenigen Minuten vollständig. Der Luxus einer eigenen Kabine als persönlicher Rückzugsort bot mir einen enormen Komfort.

„Erfahrene Segler behaupten oft, eine klassische Blauwasseryacht liefe schneller. Weder mein persönliches Gefühl noch die Bordsysteme konnten das bestätigen. Der wahre unschlagbare Vorteil eines Katamarans ist jedoch das Ausbleiben der Schifflage.“

Fazit aus dem Logbuch

Autarkie pur

Energie im Überfluss auf dem Leopard 39

Auch technisch hat mich der Leopard 39 restlos begeistert. Das Schiff war mit einer kraftvollen 2400er Photovoltaikanlage und einem zusätzlichen Windgenerator der Marke Superwind ausgestattet. Obwohl wir an Bord keineswegs geizig mit dem Strom umgingen und permanent ein Salzwasseraufbereiter lief, hatten wir zu keinem Zeitpunkt einen Energieengpass.

Zugegeben: Ein absolut fairer Vergleich der Segeltouren war es nicht. Während wir auf den Monohulls mit richtig schlechtem Wetter kämpften, verwöhnte uns der Kat-Trip mit bestem Kaiserwetter. Dennoch fühlte sich auf den zwei Rümpfen alles unendlich viel einfacher an: Vom Waschen über das Kochen und Essen bis hin zum unkomplizierten Toilettengang. Selbst der Schlaf war um Welten ruhiger und erholsamer.

Das finale Resümee für den großen Traum

Für meinen großen Traum von der Langfahrt steht die Entscheidung nun felsenfest: Es wird definitiv ein Katamaran. Der unschätzbare Gewinn an gefühlter Sicherheit, der enorme Wohnraum und das immense Platzangebot sind auf Langzeitreisen einfach unschlagbar. Stauraum kann man auf dem Ozean schließlich nie genug haben. Einziger kleiner Wehmutstropfen der bisherigen Reisen? Ich habe leider noch keine Wale oder Delfine zu Gesicht bekommen. Aber das wird sich auf der eigenen großen Fahrt ganz sicher noch ändern!

Deine Meinung

Bist du Team Monohull oder Team Katamaran? Welche Erfahrungen hast du mit der Seekrankheit gemacht? Schreib uns deine Erlebnisse in die Kommentare!

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